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6. Juli 2018

Die wichtigsten anabolen Hormone und ihre Funktionen – Teil 3

In den ersten beiden Teilen dieser kurzen Blogartikelreihe haben wir uns mit GH und Testosteron auseinandergesetzt. Im heutigen Part gehen wir auf das, vielleicht noch etwas unbekannte, Hormon: Insulinähnliches Wachstumsfaktor 1 ein.

Dieses Hormon wird im Englischen auch als Insulin – like growth – factor 1, oder kurz als IGF – 1 bezeichnet. IGF – 1 ähnelt vom strukturellem Aufbau her, wie der Name bereits vermuten lässt, dem bekannten Insulin. Das Hormon wirkt auf verschiedenen Wegen anabol und antikatabol und kann zum Aufbau des Muskelgewebes beitragen. So wird durch das in der Leber produzierte IGF – 1 beispielsweise die Proteinsynthese angekurbelt und der Proteinabbau vermindert. Aus der Fitnessanleitung weist du bereits, dass dein Körper zu jeder Zeit Muskelprotein auf- und gleichzeitig abbaut. Für das Muskelwachstum ist also der Nettowert entscheidend. Die sogenannte Protein – Turnover – Rate muss also positiv sein. Ist dies der Fall, dann ist die Rate des Muskelproteinaufbaus größer, als die Rate des Muskelproteinabbaus und du baust umgangssprachlich Muskeln auf. Als zelluläre Antwort wird nach deinem Training IGF – 1 ausgeschüttet, welches im Anschluss, in einer Abfolge von verschiedenen Prozessen, den m-TOR Stoffwechselweg aktivieren kann. Diesen Vorgang kennst du bereits aus dem Blogartikel „Warum dein Körper ständig Muskeln auf- und abbaut“. Zusätzlich können sich die Hormone aus diesen dreiteiligen Blogartikeln gegenseitig beeinflussen. So stimulieren GH und Testosteron beispielsweise die Freisetzung von IGF – 1 und verstärken dessen Wirkung. Dem gegenüber stehen aber auch Studien, die zeigen, dass eine niedrige Blutserumkonzentration von IGF – 1 keinen verminderten, Effekt für den Muskelaufbau bedeutet. Es bleibt die Frage ob das Hormon IGF – 1 als direkter Faktor oder als indirekter Faktor für den Muskelaufbau relevant ist.

 

 

Auch hier gilt, wie zuvor bei den anderen Hormonen: Die Wirkung dieser Hormone ist durchaus anabol, werden von deinem Training jedoch nur in den natürlichen physiologischen Grenzen beeinflusst. Das bedeutet, dass zielgerichtetes Training für eine gesteigerte und vor allem spezielle Hormonausschüttung keinen Sinn macht und dir keine messbaren Erfolge im Muskelaufbau bringt, solange du die Basics beachtest. Ein gezieltes, sinnvolles Training im Zusammenspiel mit einer gesunden Ernährung veranlasst deinen Körper von ganz alleine die entsprechenden Hormone in ausreichender Konzentration bereitzustellen. In diesen sehr komplexen hormonellen Kreislauf willentlich mit „speziellen Trainingstechniken“ einzugreifen macht für einen gesunden Sportler keinen Sinn und bringt ihm keine Vorteile. Dennoch kann es ebenso wichtig sein zu wissen „was nicht funktioniert“ statt nur zu wissen was „funktioniert“, denn dadurch sparst du langfristig Zeit und vermutlich auch Geld.

Ich hoffe, dass ich dir wieder ein paar wichtige Informationen mitgeben konnte. Bis dann, hau rein!

 

Dein Goeerki

 


 

1 McCall GE et al., Acute and chronic hormonal responses to resistance training designed to promote muscle hypertrophy, Canadian Journal of applied physiology, 1999 Feb. 1;24(1): 96-107.

Kraemer et al., Hormonal and growth factor responses to heavy resistance exercise protocols, Journal of Applied Physiology, 1999 Oct. 1;69(4):1442-50.

Buresh R et al, The effect of resistive exercise rest interval on hormonal response, strength, and hypertrophy with training, The journal of Strength & Conditioning Research, 2009 Jan 1; 23(1): 62-71.