Jetzt starten
Login
1. Juli 2018

Die wichtigsten anabolen Hormone und ihre Funktionen – Teil 2

Im letzten Blogartikel haben wir uns bereits das sogenannte Growth Hormone (GH) und seine Wirkungsweise kennengelernt. Im heutigen zweiten Teil konzentrieren wir uns auf das altbekannte Sexualhormon Testosteron und räumen mit einigen Mythen auf, die damit einhergehen.

Wie wir bereits aus dem speziellen Kapitel über Frauen in der Fitnessanleitung wissen, hat das weibliche Geschlecht ebenso Testosteron. Dies aber nur in einer Konzentration die 1/15 mal so groß ist, wie die des männlichen Geschlechts. Für die primären Sexualhormone der Frau und wie diese im Zusammenhang mit dem Training und der Ernährung stehen, kann ich dir wärmstens die Fitnessanleitung empfehlen. Für all die männlichen Leser ist dieser Blogartikel vermutlich weitaus relevanter, da Testosteron das primäre Sexualhormon des Mannes ist.

95% des Testosterons werden in den Hoden gebildet. Dies entspricht ca. 3-10mg pro Tag. Testosteron hat zahlreiche Funktionen im menschlichen Körper, so ist es z.B. in erster Linie für die Entstehung der „männlichen Merkmale“ verantwortlich, als auch für die Körperkomposition von Muskelmasse und Fett, aber nur im natürlichen physiologischen Bereich. Die Testosteronausschüttung durch das Training wurde schon 1993 erforscht, indem man Probanden 20×1 und 10×10 Sätze und Wiederholungen ausführen lies. Schon damals konnte festgehalten werden, dass die Testpersonen mit 10×10 mehr Testosteronausschüttung aufwiesen, als jene, die lediglich 20 Sätze mit jeweils 1 Wiederholung absolvierten. Testosteron steht also im direkten Zusammenhang mit dem Trainingsvolumen. Diesem Testosteronanstieg nach dem Training werden extreme „Wunderwirkungen“ nachgesagt, stellt aber lediglich eine Momentaufnahme dar. Tatsächlich aber, stellt der Körper nach kurzer Zeit wieder ein Gleichgewicht des Hormons her und all das geschieht im normalen physiologischen Bereich. Im Bezug auf Muskelaufbau hast du lediglich durch erhöhtes Testosteron nach dem Training einen Effekt, wenn du grundsätzlich ein niedriges Testosteronlevel hast. Wichtig ist hier wieder den natürlichen Bereich zu nennen. Solange du dich in diesem bewegst, geschehen keine Wunder für den Muskelaufbau. Vertraue auf die Basics!

 

Testosteron

 

Anders, als häufig angenommen, erhöhen kürze Satzpausen NICHT die Testosteronausschüttung. Grundübungen wie Kniebeugen führen zu einer stärkeren Testosteronausschüttung als z.B. ein Beinstrecker, was durchaus logisch ist, da eine deutlich größere Anspannung mehrerer Muskelgruppen gegeben ist und somit die „hormonelle Antwort“ für z.B. Reparaturprozesse größer ausfällt.

Es bleibt also festzuhalten: Testosteron steht zwar in Korrelation mit einer besseren Körperkomposition, ist jedoch keine Ursache dafür. Bei Trainierenden ist der Testosterongehalt etwas höher und dementsprechend gibt es häufiger einen Zusammenhang zwischen einem trainierten Körper und etwas erhöhten Testosteronspiegeln. Um aber einen starken, „übernatürlichen“ Muskelaufbaueffekt durch das Testosteron zu erreichen, müsste man ca. 600% über der natürlichen physiologischen Testosteronmenge liegen. Dies ist mit natürlichen Mitteln in keiner Weise zu erreichen und ist lediglich über spezielle, unerlaubte Substanzen möglich. Aufgrund dessen solltest du dir ähnlich wie beim GH nicht den Kopf zerbrechen, wie du möglichst viel Testosteron freisetzen kannst, sondern vertraue auf die grundlegenden Trainingsprinzipien, die du in der Fitnessanleitung lernst und mit der Zeit werden die Fortschritte dann automatisch kommen.

Ich hoffe ich konnte dir wieder ein paar nützliche Informationen geben. Sei auf den letzten Teil der Reihe gespannt. Bis dahin hau rein!

 


1 McCall GE et al., Acute and chronic hormonal responses to resistance training designed to promote muscle hypertrophy, Canadian Journal of applied physiology, 1999 Feb. 1;24(1): 96-107.

2 Kraemer et al., Hormonal and growth factor responses to heavy resistance exercise protocols, Journal of Applied Physiology, 1999 Oct. 1;69(4):1442-50.

3 Buresh R et al, The effect of resistive exercise rest interval on hormonal response, strength, and hypertrophy with training, The journal of Strength & Conditioning Research, 2009 Jan 1; 23(1): 62-71.